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  • Jonas Prien, Marketing and Business Development

Russland bleibt interessant - Johannes Ausserer im Gespräch mit der Südtiroler Wochenzeitung


EXPORTE – Russland führt seit einigen Jahren keine Lebensmittel mehr aus EU-Staaten ein – zum Schaden vor allem der Obstwirtschaft. Es gibt aber einige Südtiroler Unternehmen, die nach wie vor gute wirtschaftliche Beziehungen zu Kunden dort unterhalten. Eine Hilfestellung gibt manchen von ihnen ein Südtiroler Dienstleister.

Bozen/Moskau – Südtirol exportierte im vergangenen Jahr Waren im Wert von 4,8 Milliarden Euro. Nicht einmal ein Prozent davon (knapp 40 Millionen) sind nach Russland gegangen, immerhin aber nicht viel weniger als nach Großbritannien (67 Millionen). Die Ausfuhren könnten weit umfangreicher sein, wenn sich die Länder der russischen Föderation wirtschaftlich besser entwickeln und dem Warenaustausch nicht manche von der Politik aufgebaute Hindernisse im Wege stehen würden. Schon 2007 exportierte Südtirol verschiedenste Produkte im Wert von 37 Millionen Euro nach Russland, und die Geschäftsvolumen haben in der Folge deutlich zugenommen, nicht zuletzt wohl auch im Vorfeld der Winterolympiade 2014 in Sotschi, als viele Südtiroler Firmen mit Aufträgen bedacht wurden. Infolge der EU-Sanktionen gegen Russland in Zusammenhang mit dem Ukraine-Konflikt und der Gegenmaßnahmen Moskaus (Verbot von Lebensmitteleinfuhren aus EU-Staaten) aus den Jahren 2014 und später sind die Südtiroler Exporte nach Russland stark von einst 76 (2013) auf 22 Millionen (2016) zurückgegangen. Vor allem die Obstgenossenschaften verloren damals einen viel versprechenden Absatzmarkt, und dieser scheint auf Dauer auszufallen, denn Russland hat zuerst Äpfel aus anderen Erzeugerländern importiert und dann erfolgreich damit begonnen, seine eigene Produktion auszuweiten. Moskau möchte schon mittelfristig unabhängig von Lebensmittellieferungen aller Art aus dem Ausland werden. Südtirol liefert zwar keine Äpfel mehr, wohl aber Apfelbäume und Klone. Die vor Jahren aus Südtirol abgewanderte Firma Zuegg ist auf einem großen Areal südlich von Moskau in den Apfelanbau eingestiegen.

Trotz Importverbots für Lebensmittel steigt Südtiroler Export nach Russland.

Schon 2017 haben die Südtiroler Exporte nach Russland wieder stark zugenommen, und das obwohl das Einfuhrverbot für Äpfel und andere Lebensmittel nach wie vor besteht. Aber russische Auftraggeber sind an verschiedensten Produkten „Made in South Tyrol“ interessiert, an Anlagen zur technischen Schneeerzeugung etwa, an Leistungen von Stahl- und Fassadenbaufirmen oder Ausstattern von Einzelhandelsunternehmen. Nach Auskunft von Johannes Ausserer von dem nach ihm benannten Dienstleistungsunternehmen mit Sitz in Moskau sind derzeit knapp zehn Südtiroler Unternehmen in Russland tätig. Der Kern, um den sich alles dreht, ist der Großraum Moskau mit seinen an die 15 Millionen Einwohnern. „Diese Region ist ungeheuer dynamisch, gehört zur Avantgarde in der digitalen Evolution bzw. Transformation und ist bereits extrem stark entwickelt. Daneben gibt es Petersburg, das kreative und kulturelle Zentrum Russlands mit seinem europäischen Flair. Seit 2009 verkehren Hochgeschwindigkeitszüge zwischen den beiden Metropolen, die die 650 Kilometer lange Strecke in drei Stunden und 45 Minuten bewältigen. Der Rest des 17 Millionen Quadratkilometer umfassenden Staatsgebietes ist entwicklungsmäßig Provinz und weist evidente wirtschaftlich-strukturelle Mängel auf.“

#russlandbusiness

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